Tsipras in der Klemme, 3 Wahrheiten und die Korruption.

Es gibt immer mindestens zwei Wahrheiten, ja nach Standpunkt des Betrachters. Bei der aktuellen Diskussion um die Rettung Griechenlands innerhalb der EURO Zone gibt es mindestens drei. Übrigens, ein so genannter Grexit, steht für niemanden, der ohne fremde Hilfe bis drei zählen kann, zur Debatte. Er dient nur als Drohkulisse für Volksverdummer und Labergrundlage für Ouzo geschwängerte Stammtischrunden.

Götterdämmerung in Athen. Foto©Achim Munck

Götterdämmerung in Athen. Foto©Achim Munck

Wie ist denn die aktuelle Situation? Tsipras und Varofakis verfolgen im Wesentlichen den diktierten Sparkurs weiter, weil Schäuble und Co. ihnen klar gemacht haben, dass sie Griechenland ansonsten gegen die Wand laufen lassen. Man muss nur mal das neue Reformprogramm lesen, z.B. in der Zeit oder im MDR. Selbst wenn die beiden Griechen ihr eigenes Wahlprogramm geglaubt haben, was bei Politikern eher selten vorkommt, wurden sie von den mit allen politischen Wassern gewaschenen Junkers/Schulzes/Dijsselbloems und vor allem Schäuble auf den Boden der Durchsetzbarkeiten zurückgeholt. Nicht umsonst haben in den letzten Wochen seit Amtsantritt der Syriza viele vertrauliche Gespräche stattgefunden. Da wurde Tacheles geredet und da wurden sicherlich die kommenden Schritte bereits abgestimmt. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass die alten europäischen Schlachtrösser den Jungs ein paar wohlgemeinte Tipps mit gegeben haben, wie man jetzt nach innen und außen agiert, zumindest verbal. Und da kommen wir zu den drei Wahrheiten. Die wichtigste ist die hinter verschlossenen Türen abgestimmte Strategie. Die wird man nie ganz erfahren, da sie an die Erfordernisse angepasst werden wird. Kernpunkte werden sein,

  • dass die vereinbarten Reformen weitestgehend umgesetzt werden müssen,
  • dass es weiter Geld für Griechenland geben wird,
  • dass die Schulden niemals ganz zurückgezahlt werden (können),
  • dass Griechenland den EURO behalten wird.

Die anderen beiden Wahrheiten werden von den Verhandlungspartnern zuhause erzählt um die Gesichter zu wahren.

Die „Alten“ werden hier erzählen, dass man sich durchgesetzt hat, dass man aber noch ein ungutes Gefühl dabei hat, dass man den Griechen trotzdem etwas entgegenkommen muss, damit denen das nicht um die Ohren fliegt. (Da ist was dran, denn wenn die Griechen gegen die neue Regierung und die Sparmaßnahmen auf die Straße gehen, besteht die Gefahr einer Ausbreitung und Destabilisierung im Mittelmeerraum und eine gefährliche Stärkung der rechten Brut).

Tsipras und Varoufakis müssen eine Wahrheit finden, die dem eigenen Volk beibringt, dass sie weitestgehend ihre Wahlversprechen eingehalten haben. Auweia, das ist ein dickes Brett. Daher werden dort auch einige Almosen an die Armen verteilt und weiterhin von Schuldenschnitt gesprochen. Die größte Katastrophe ist die drohende Verelendung weiter Bevölkerungskreise. Diese Menschen leiden am meisten. Aber Athen ist weit weg von Brüssel und da entscheidet es sich leicht. Ursächlich für die Schulden ist die jahrzehntelang verfestigte Selbstbedienungskultur der oberen 10.000 in Griechenland, die gnadenlos den eigenen Staat abzocken und die eigenen Landsleute skrupellos verelenden und verrecken lassen, weil zum Beispiel das Gesundheitswesen am Boden liegt.

Man kann nur hoffen, dass T&V die verfilzten Strukturen und die grassierende Korruption eindämmen können, denn das ist die wahre Katastrophe in Griechenland. An dieser Wahrheit zweifelt niemand.

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